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Die Geschichte von Melezy Prizikap*

Geburt

Schon sein erster Schrei war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Lüge. Wenigstens das mit dem Arzt. Die Sache mit den Arschlöchern stimmte, auch wenn man fairerweise sagen muss, dass man sie nicht in aller Gänze dafür verantwortlich machen konnte. Sie waren es, wenn man so möchte, nicht freiwillig.
Wie auch Melezy Prizikap kein eindeutiger Lügner war. Er konnte sich auch einfach nur irren.

© Jacques L. Prilleau, Die Geburt des Melezy Prizikap
Das ist ja eine Frage, die viele beschäftigt: Machen die das mit Absicht oder sind die einfach total durchgeknallt?
Jedenfalls hat ein der Prophet schon mal erkannt, dass die nicht so recht wüssten, was sie täten. Zumindest wenn man glauben möchte, dass diese Worte so oder so ähnlich gefallen sind. Passen würde es. Weiß doch Melezy Prizikap sein ganzes Leben lang nicht so recht, was er tut. Das wird aber noch erzählen zu sein.

Obwohl man nicht weiß, wie lange man ihn noch beobachten kann, ist der Zyklus ja ziemlich sicher der Letzte.

Zurück in den Kreißsaal: Melezy verließ den Geburtskanal pünktlich um 17:00 Uhr am Nachmittag – eines Werktages wie es sich gehört. Die erste Wehe schickte er seiner Mutter um 9:00 morgens nach einem herzhaften Frühstück aus der nach einer Acht-Stunden-Tortur (ohne Mittagspause!) für seine Mutter nun nutzlosen Nabelschnur.

Aus den Earplugs des Gynäkologen nudelt MMCC in einem ein klein wenig zu übertrieben manirierten Südstaatensingsang: „Wrecking the mother from nine to five!“

„…frahm nähn d’fähw!“

Denkt man die Geburt als tragische und notwendige Initiation des doch recht baldigen Todes eines Menschen und macht man sich zudem der Anwesenheit von Messern, Schürzen und Schüsseln klar, wird man sich der platzenden Häute, auslaufenden Flüssigkeiten, der Schneiderei an Fleisch und des Geschreis bewusst, könnte man von einer Hausschlachtung sprechen.
Zumindest, wenn es eine Hausgeburt gewesen wäre. Die Prizikaps aber vertrauen den Institutionen blind, glauben an organisierte Sicherheit im Schatten von Verwaltung, Gesetzen und studierten Medizinern. Es soll nichts schiefgehen.

Es darf nichts schiefgehen.

Das könnte Melezys Lebensmotto sein. Ist es vielleicht auch zeitweise. Obwohl…, nennen wir es lieber zeitweilige Prämisse seines Handelns. Das werden wir aber noch sehen. So, wie die anderen Prämissen und die Mechanismen, die dahinter liegen. Die Arschlöcher haben damit zu tun und die Arschlöcher, die deren Arschlöcher waren und die Arschlöcher davor und so weiter.

An welchem Punkt seiner Entwicklung er das nächste Mal beobachtet wird, weiß man noch nicht.

Er wird bald zum spielenden Kind gehen und ihm sagen, was an seinem Spiel falsch ist und was es besser machen kann, anstatt sich neben es in den Sand zu setzen und einfach mitzuspielen.

*Mensch des letzten Zyklus‘ des privaten Zinsgeldkapitalismus

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